Grundlagen und allgemeine Zielsetzungen

Sowohl in der Kunst wie in der Wissenschaft steht man zunächst im Spannungsfeld von Eigenaktivität und Fremdbestimmung. Ist die künstlerische Gestaltung eine rein subjektive Angelegenheit, oder muss man nur der Welt die Gesetze ablauschen, gemäss denen man künstlerisch tätig sein kann? Ist Erkenntnis eine rein persönliche Angelegenheit, ohne Aussicht auf universelle Wahrheiten, oder gilt es gar, Arten von Einsichten zu gewinnen, die eines denkenden und wahrnehmenden Menschen nicht bedürfen?
Der Umgang mit der Natur der Eurythmie als aktive Gestaltungskunst des Lebendigen bringt einen unerbittlich und existentiell an solche Grenzfragen heran. Man kann mit ihr erleben und lernen, dass menschliches Wirken ein individuelles Ermöglichen ist, dass heisst eine Aktivität, bei der eine Mitwirkung geistiger Kräfteimpulse veranlasst werden kann, die desto spezifischer ist, je mehr der tätige Mensch in seiner individuellen Eigenaktivität drin steht. Damit wird obiger Gegensatz in eine höhere Einheit aufgehoben. Aus dem erlebten Drinnenstehen in Weltgesetzmässigkeiten ergibt sich dann auch die Aussicht auf eine solche Gesetze umfassende Erkenntnis, die der individuellen und tätigen Eigenform bedarf, ihrem Inhalt nach aber Weltprozesse unverfälscht zur Erfahrung bringen kann.
Daraus ergeben sich Gestaltungs- und Erkenntnisaufgaben, die von einer Mensch und Welt umfassenden Einheit ausgehend diese immer differenzierter gestalten. Dabei geht es insbesondere um die Frage, auf welche Weise der eurythmisierende Mensch so mit der Natur zusammenarbeiten kann, dass die Natur in ihren eigenen Bedingungen und er mit seinen Zielen und Bedürfnissen dem jeweiligen Wesen gemäss verwirklicht werden.