Jugend-Eurythmie auf den Philippinen

Mayra Bosshard

Drei Wochen waren wir, das ArteNova Jugend Öirütmie Ensemble, bestehend aus neun Jugendlichen, unserer Leiterin Tanja Baumgartner und unserem Tourmanager Eckart Grundmann mit dem Programm Transitions auf den Philippinen zu Gast. 6.000 Leute haben wir mit sechs Eurythmieaufführungen von Nord bis Süd des Inselstaates erreicht und ihnen etwas für sie zum Teil völlig neues gezeigt.

Mit dem Ende dieser Tournee geht nicht nur eine spannende Reise zu den Grenzen und Tiefen der Eurythmie zu Ende, sondern auch ein soziales Erlebnis, das bei uns allen zu bleibenden Eindrücken und tiefgreifenden Erfahrungen geführt hat. „Rot und Grün“ ist Benjamins Antwort auf die Frage zu den Farben Asiens. Für die Meisten von uns ist es das erste Mal auf diesem Kontinent und die Stimmung ist noch neu und unbekannt. Das satte Grün, das dem Auge entgegenstrahlt, solange man den Blick nicht auf die riesigen, weitläufigen Städte richtet, versinkt abends nicht in goldenen, lang anhaltenden Sonnenstrahlen, wie wir Europäer es von den Palmen im Mittelmeerraum kennen, sondern in einem etwas verschwommenen Rotschimmer, der sich wie ein Schleier über den Horizont legt und so schnell verschwindet, wie er gekommen ist.
Bleibender sind da unsere Erfahrungen, die wir aus diesen drei Wochen mitnehmen durften. Eines der eindrücklichsten und prägendsten Erlebnisse für uns alle war die Einladung beim Gouverneur von Cotabato, einer Provinz auf der Insel Mindanao, die 18 Gemeinden umfasst. Anstatt eines strengen älteren Herrn erwartete uns eine offene, warmherzige, aber erschöpfte Frau. Für sie Eurythmie zu machen, ihr zu helfen, ihre Verspannungen zu lockern, einem ganzen Regierungsbüro das Hallelujah beizubringen und dabei erleben zu dürfen, wie offen diese Menschen etwas so neues, ihnen noch vollkommen fremdes annehmen, war eine sehr berührende Erfahrung. Diese Art der Offenheit der Filipinos war es auch, die unsere Aufführungen zu Momenten werden ließ, in denen immer wieder neue Bewegungen und Erfahrungen entstehen konnten. Wo das Tangostück plötzlich um ein Auseinandergehen und wieder Zusammenfinden erweitert werden konnte, ohne vorherige Abmachung oder die Empathie im gleichnamigen Stück mit einem Mal ein Basketball Stadion mit 3.000 Leuten zu begeistern vermochte. Auch banale Dinge wie die gemeinsame Fahrt im offenen Pick-up durch holprige Ananasfelder, das noch bessere Kennenlernen der anderen bei psychologischen Gesellschaftsspielen oder auch nur das gemeinsame, stille „Entgegennehmen“ von bis zu sechs Mahlzeiten am Tag, nur um die unglaubliche Gastfreundschaft der Filipinos nicht zu enttäuschen, haben uns zu einer Gruppe zusammengeschweißt, die Erlebnisse und Erfahrungen teilt, die eine Wir-Dynamik tragen und die zeigen, was möglich wird, wenn Individuen zusammenarbeiten. Das war selbstverständlich nicht immer ganz einfach. Besonders zu Beginn, als wir noch einige Proben brauchten, um unser Programm Transitions (www.jugend-eurythmie.ch) wirklich bühnenreif zu gestalten, musste man sich auch immer wieder zusammennehmen, von seinen eigenen Bedürfnissen absehen und der Gruppe, unserem Projekt den bedingungslosen Vorrang einräumen. Wir versuchten, die anderen „aufzuwecken“ und sich selber „wecken“ zu lassen, wo man noch träumte, ohne sich dessen bewusst zu sein. Wie unsere Leiterin Tanja Baumgartner sagte: wir wollen ein gemeinsames Kind auf die Welt bringen, den nebensächlichen und sehr persönlichen Befindlichkeiten können wir uns später wieder widmen.
Und ich denke, wir können es wagen zu sagen, wir haben es geschafft. Wir haben ein Kind auf die Philippinen gebracht und mag es auch noch in seinen Babyschuhen stecken, so hat es doch immerhin seine ersten Schritte gemacht und wurde dabei von unzähligen Händen unterstützt und so vielen Augen gesehen und wertgeschätzt.
Einen herzlichen Dank an alle, die unsere Tour so großzügig unterstützt haben!